Auf den spuren Caspar David Friedrichs …

bin ich heut gewandelt. Eine schöne kleine Tour zum Abschied an der sächsischen Schweiz. Es gibt zwei Hände voll Schautafeln, die sehr informativ und an denen man sich entlang hangeln kann, ein Bild sagt trotzdem mehr als 1000 Worte …

Ich glaube heut morgen sah es genau so aus, nur der Typ da trug kurze Hosen und überteuerte Hightech-Textilien, was bleibt ist der Blick in die Ferne, der war gestern der gleiche wie in heutiger Zeit.

Gestern gabs ein klein bisschen Deutschland und der Wald, heut wird’s vermutlich auf Sehnsucht hinauslaufen, warum verdammt nochmal kann man das wunderschöne Wort „Weltschmerz“, das selbst im anglikanischen Raum Einzug gehalten hat, nur so selten sinnvoll verwenden .oO

Startpunkt war Krippen, eine kleine Stadt(?) an der böhmischen Grenze. Entlang des Elberadweges purzeln die ersten Kilometer in Windeseile. An Unmengen japanischen Springkrauts vorbei, das die Nase von einem olfaktorischen Höhepunkt zum nächsten gallopiert, erreiche ich Schoena. Irgendwie sind auf einmal überall Berge … da schwant dem Elbradwegwanderer gar garstiges in Form eines baldigen Aufstiegs 🙂

Aber erst noch Schlangen, Molchen, Eidechsen und anderen vorzeitlichen Kreaturen über die Strasse helfen, man ist ja Tierfreund … also zumindest bis nachher, wenn das Fleisch in der Pfanne brutzelt.

Ok, es ist vielleicht doch nur eine Blindschleiche … meine letzte hab ich als Kind gesehen glaub ich zumindest.

Es geht bergauf, ein paar Kilometer weit und einen halben hoch, klingt gar nicht so schlimm, ich fühl mich trotzdem wie eine Dampflok. Irgendwann ist jeder Aufstieg vorbei, meiner endet erstmal auf der Kaiserkrone.

Ein bisschen vom Nebel ist noch übrig, vielleicht isses auch Smog, aber das passt mir grad nich in die Argumentation. Es gibt drei Felsspitzen hier, eine hab ich nicht gefunden, auf einer steht ein Sendemast, um den man sich schlängeln kann … ne, da kommt auch noch kein Weltschmerz auf .oO

Erst auf der dritten bietet sich ein Panorama, das den Träumen die Sporen zu geben vermag. Und so bleibe ich und sitze und stehe und rauche und sehe … dauert ewig, bis Gedanken und Körper wieder einigermaßen am selben Ort sind. Das sind die Auszeiten, die man braucht, erkennen, wie klein man selbst und wie gewaltig manch anderes ist .oO schade, dass man nicht alles schreiben kann und darf, was einen manchmal so im Kopf herumtanzt.

Da hilft nur losreißen und absteigen 🙂 weiter gehts auf CDFs Spuren … wenn doch Romantik nur nicht so nutzlos wär, dann wär sie eines der schönsten Dinge in der Welt.

Bin immer noch in Schoena, ich glaub nun alle Strassen gesehen zu haben, mir ist wie ihm zumute …

Jetzt ein Mittagsschäfchen .oO oder doch lieber noch bissel nachgruebeln, wie es wohl vor 200 Jahren hier aussah, nicht nur Dörfer und Städte, sondern eher, wie die Wanderer von damals ohne Markierungen und Spitzenwege, ihren Pfad gefunden haben und ob das nicht vielleicht auch ganz wunderbar sein kann, ganz allein zu sein … zumindest für ein kleines Weilchen .oO

Die Wege werden kleiner, der Wolfsberg rückt näher und von weitem schon laed die Panoramagaststaette zu einer kleinen Rast ein. Ich mag die Gegend hier wirklich sehr, auch wenn des Osterzgebuergers bester Freund anscheinend der Rasenmäher ist. Die Pedanterie treibt gelegentlich gar seltsame Blüten .oO

11425 Stück und wehe es fehlt eines! Es ist wohl nicht mehr weit grad sollte es laut Markierung noch 35 min bis zurück nach Krippen sein, nun ist es wieder eine Stunde, egal, ist nicht mehr weit und es geht durch kühlen Wald … das Wetter ist phantastisch und die Trinkflasche schon ein Weilchen zur Neige gegangen 🙂

Fast geschafft, ein schöner Abstieg noch, über alte verwitterte Stufen und welche die die Wurzeln der Buchen ganz natürlich bilden. Ich trotte einer größeren Gruppe älterer Wanderer aus Hamburg hinterher und zwischen dem Schnaufen und jaulen (Knie) entspinnt sich ein nettes Gespräch. Kurz, die Nordlichter sind schwer begeistert von Menschen, Land und Natur und werden wiederkommen 🙂 das hört man irgendwie gern, also als Sachse 😉

Hm, irgendwie ist die Tour zu Ende und ich hab keinen richtigen Bogen zum Weltschmerz schlagen können .oO ich muss wohl noch weiter wandern, klappt schon, da bin ich zuversichtlich.

Du hast verloren, wenn du aufhörst, es zu versuchen.

Ich glaub, das ist ein schönes Motto, nicht nur für heut, eigentlich für jede Zeit und für viele Dinge, auch wenn der Spruch an einem pleitegegangenen Laden prangt 🙂

Montag geht es weiter, vielleicht Ostsee, da hätte ich nach der CDF-Tour heut wirklich Lust drauf oder doch an die Mosel zum Federweisser naschen und Weltschmerz ertränken 🙂

Zum Glück hab ich ein glockenklares Stimmchen, drei Lieder lang … Kinder ins Bett bringen ist toll, und Marco Polo kucken auch 🙂

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